Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen
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Unsere Schler in Polen

Auf der Basis der bestehenden Landkreispartnerschaft Pfaffenhofen-Tarnów konnten auch in diesem Jahr Schüler des Schyren-Gymnasiums ihre Partnerschule, das Lyzeum Nr. 2 in Dąbrowa Tarnowska, besuchen.

In Begleitung ihrer Lehrkräfte Eva-Maria Dachs und Roland Scheerer erlebten die Elftklässler ab dem 29. März das polnische Alltagsleben in ihren Gastfamilien, anschließend stand bis 5. April ein mehrtägiger Studienaufenthalt in Polens Kulturmetropole Krakau auf dem Programm, das vom Landkreis Pfaffenhofen gefördert wird.


SGP-Schüler mit ihren Austauschpartnern, den begleitenden Lehrkräften Eva Dachs und Roland Scheerer sowie dem Leiter des Lyzeums in Dąbrowa Tarnowska, Jan Kiljan

Neben Ausflügen in die ländlich geprägte Umgebung — in der ehemaligen österreichischen Provinz Galizien sind die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges bis heute ebenso gegenwärtig wie die Spuren des einstmaligen jüdische Kulturlebens — war von dem den Austausch betreuenden Deutschlehrer Rafał Szydłowski ein politisches Arbeitstreffen an der Schule organisiert worden, in dessen Rahmen deutsche und polnische Schüler sich wechselseitig Informationen über das politische System ihres Heimatlandes vermittelten, wobei insbesondere föderales und zentralistisches System einander gegenübergestellt wurden.

Die Jugendlichen hatten hierbei Gelegenheit, Fragen direkt an einen Abgeordneten des polnischen Parlaments zu richten, der zwar aufschlussreich über die Arbeit des Sejm referierte, als Mitglied der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ von Präsident Kaczyński aktuellen Themen der deutsch-polnischen Beziehungen aber eher auswich.

Ein Schulgottesdienst in Dąbrowa Tarnowska vermittelte einen Eindruck von der ungebrochenen, innigen Verehrung, die man in Polen bis heute Papst Johannes Paul II. entgegenbringt, dessen Todestag am 2. April begangen wurde. Im Kontrast zum bei uns herrschenden, in vielen Lebensbereichen säkularisierten Lebensstil ist es für jeden Besucher eine Bereicherung, den polnischen Katholizismus einmal in seiner vollen Prachtentfaltung mitzuerleben; der Vergleich mit dem Anderen macht nicht zuletzt die Eigenheiten der eigenen Kultur als solche bewusst, der weit gehende Rückzug des Glaubens aus dem deutschen Lebensalltag hat ja auch eine Leere hinterlassen, die erst einmal sinnvoll gefüllt werden will. Ein Polenreisender wird sich freilich früher oder später die Frage stellen, wie weit ein religiös motivierter Personenkult getrieben werden sollte.

Im zweiten Teil des Programmes besichtigten die Jugendlichen die Sehenswürdigkeiten Krakaus — unter anderem das Salzbergwerk Wieliczka, das Wawelschloss und die Marienkirche — und besuchten ein Philharmoniekonzert.


Johanna Zörntlein und Daniel Enders vom Schyren-Gymnasium beim Niederlegen einer Rose und dem Entzünden einer Kerze zum Andenken an die Opfer des Völkermordes an der Gedenkstätte Auschwitz

Vor allem erlebten sie aber auch die Schrecken der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, wo sich an eine Führung durch das Lagergelände ein Workshop anschloss; mit Hilfe zur Verfügung stehender Textquellen zeichneten die Schüler exemplarische Einzelschicksale von Holocaust-Opfern nach. An der Hinrichtungswand im Stammlager Auschwitz I wurde im Namen der Schule eine Kerze entzündet.

Beide Seiten hoffen, nach dem nunmehr vierten Tarnów-Besuch von Pfaffenhofener Gymnasiasten den fruchtbaren Schüleraustausch auch in Zukunft fortführen zu können. Geplant ist, ihn künftig in das offizielle EU-Jugendbegegnungsprogramm einzugliedern.

Roland Scheerer, April 2008

Rückblick auf fünf Jahre Austausch mit Dąbrowa Tarnowska

Fünf Jahre Polenaustausch am Schyren-Gymnasium – zweifellos eine Erfolgsgeschichte. Aus der – beinahe in Vergessenheit geratenen – Landkreispartnerschaft mit Tarnów und einer Studienfahrt nach Krakau im Jahre 2006, bei der ich meinen engagierten polnischen Freund und Kollegen  von der Zespół Szkół Ponadgimnazjalnych Nr 2 im. Kamila Baczyńskiego, Rafał Syzdłowski, kennen lernen durfte, erwuchs auf beiden Seiten der Wunsch nach regelmäßigen Schülerbegegnungen. Wir glauben, einen wirklichen Beitrag zur europäischen Verständigung geleistet zu haben; tatsächlich existierten ja zwei Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs noch immer Vorurteile, die weit in die Zeit des Kalten Krieges – und darüber hinaus - zurückreichen.
Ein besonderes Anliegen war es mir, entgegen der Ignoranz, die von der herrschenden Massenkultur ausgestrahlt wird, auch den Weg zum Polnischen - als einem Zugang zur wunderbaren Welt der slawischen Sprachen - zu ebnen. Die engagierteren unter den Teilnehmern haben in dieser Hinsicht großen Ehrgeiz entwickelt; Polnisch ist ja nicht schwerer zu erlernen als andere indoeuropäische Sprachen.
In diesem Schuljahr besuchten uns vom 25. bis 29. September neun polnische Schülerinnen und Schüler. Musik verbindet: Highlight war sicherlich das Pausenkonzert in der Aula, bei dem unsere gemeinsame Band polnische Rockmusik zum Besten gab; in ähnlicher Formation waren wir im Schuljahr zuvor auf einem Schülerbandfestival in Tarnów aufgetreten. Ansonsten standen ein Tag in Regensburg und eine Wanderung nach Scheyern auf dem Programm.
Die Zahl der Bewerbungen für die nächste Runde übertraf dann alle Erwartungen, was uns vor ein gewisses Problem stellte; die polnischen Partner signalisierten großes Entgegenkommen und erklärten sich bereit, alle Interessenten unterzubringen; allerdings standen weit weniger Gastfamilien zur Verfügung, weshalb die Unterbringung in einem Jugendhotel vorgesehen war. Wir nahmen diesen Vorschlag an, um möglichst vielen Schülern die Teilnahme zu ermöglichen, und verzichteten – eine Teilung der Gruppe war nicht praktikabel - schweren Herzens auf die Gastfamilien-Option. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal um Verständnis für diese Lösung bitten; ansonsten hätte gut die Hälfte der 24 Bewerber zu Hause bleiben müssen, die Zahl der als Begleitung abzustellenden Lehrkräfte wäre dabei dieselbe geblieben.
Unser Besuchsprogramm vom 12. bis 20. März umfasste zunächst Freizeitaktivitäten in Tarnów und Umgebung (Bowling, Wandern, Besichtigung der Schlachtfelder des ersten Weltkriegs, Stadtführung mit jüdischem Friedhof), im zweiten Teil ein Kulturprogramm in Krakau (Stadtrundfahrt, Marienkirche, Wawel-Schloss, Salzbergwerk Wieliczka, Mozartkonzert in der Philharmonie, Live-Jazz). Selbstverständlich wurde auch die Gedenkstätte Auschwitz besichtigt; im Rahmen eines Workshops im Archiv erfuhren die Jugendlichen, wie sich Einzelschicksale der Opfer aus den erhaltenen Aufzeichnungen rekonstruieren lassen; im Namen des Schyren-Gymnasiums wurde zum Gedenken eine Kerze entzündet. Ganz besonderer Dank gilt Simone Schmeißer, die die Fahrt begleitet hat. Ein Gegenbesuch ist für den Herbst 2011 angedacht.
Weshalb nun – angesichts des gewachsenen Interesses unserer Schüler – der Entschluss, das Kapitel Polenaustausch fürs Erste zu schließen? Zum einen haben die Betreuungslehrer beider Seiten inzwischen Familien gegründet; eine Fortführung des Austauschs im gewohnten Umfang würde zwangsläufig auf dem Rücken der Ehepartner erfolgen, denen wir dies nicht zumuten können; Kollegen, die den Austausch ganz oder im Wechsel übernehmen würden, stehen derzeit nicht zur Verfügung. Zum anderen ist das Reservoir an polnischen Gastfamilien und Austauschkandidaten – Deutsch wird an unserer Partnerschule nicht als Hauptfach unterrichtet – fürs Erste ausgeschöpft; dies bedeutet, dass auf längere Sicht allenfalls ein stark asymmetrischer Besuchskontakt mit dauerhaftem Verzicht auf Gastfamilienunterbringung möglich wäre; das aber läuft der Idee des Schüleraustauschs zuwider. Beide Seiten sind sich deshalb darin einig, an dieser Stelle einen Schlusspunkt hinter den regelmäßigen Schüleraustausch zu setzen, der als wichtige Bereicherung in die Jahrbücher beider Schulen eingegangen ist. Der freundschaftliche Kontakt bleibt bestehen, und sicher wird sich früher oder später die Gelegenheit ergeben, in anderer Form – etwa im Rahmen eines begrenzten Unterrichtsprojekts – auf ihn zurückzugreifen. Danken möchte ich abschließend dem Landkreis Pfaffenhofen und dem Elternbeirat, die uns stets großzügig unterstützt haben. Drogi Rafale, do zobaczenia! Długo będziemy pamiętać waszą gościnność!

Roland Scheerer, Sommer 2011



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