Man weiß nicht recht, wofür man Tobias Sammet, seines Zeichens Sänger und Bassist der deutschen Metal-Band "Edguy" mehr Respekt zollen soll: Dafür, dass er sich traut, mit seinem Nebenprojekt "Avantasia" ein Doppelkonzeptalbum vorzulegen, das zusammen mit der Vorgängerscheibe "The Scarecrow" eine geschlossene Trilogie bildet. Dabei handelt es sich um eine Art Metal-Oper, mit verschiedenen Rollen, die von den (zumeist) prominenten Gastsängern interpretiert werden, und einer traurigen Liebesgeschichte als zentralem Thema. Nicht unbedingt das, was man in der Hard 'n Heavy- Szene erwarten würde, aber dennoch (auch kommerziell) erstaunlich erfolgreich.
Oder dafür, dass auf diesen beiden CDs Hard-Rock und Heavy-Metal vom Feinsten geboten wird, abwechslungsreich, melodiös und auch textlich erfreulich interessant – und das alles nur von Herrn Sammet geschrieben. Weder auf "The Wicked Symphony" noch auf "Angel of Babylon" finden sich irgendwelche Filler, sondern jedes Lied hat "etwas". Und wenn es einmal etwas länger dauert bis man ein Lied ins Ohr bekommt, dann wird es umso schwerer es wieder loszuwerden.
Sicherlich aber auch dafür, dass er es immer wieder schafft, so bekannte Gäste wie Michael Kiske (Ex-Helloween), John Oliva (Ex-Savatage), Russel Allen (Symphony X), Tim "Ripper" Owens (Ex-Judas Priest), Eric Singer (Kiss) oder Bob Catley dazu zu bringen, an diesem Projekt mitzuarbeiten.
Aber am meisten Respekt gehört ihm eigentlich dafür, dass er diesen Interpreten die Lieder so auf den Leib schneidert, dass sie gar nicht anders können, als zu Höchstform aufzulaufen (auch auf die Gefahr hin, ihm selbst bisweilen die Show zu stehlen!). Als Beispiel sei hier das Duett "Dying for an Angel" von Sammet mit Klaus Meine zu nennen, bei der der Scorpions-Frontman so klingt, wie zu seinen besten Zeiten. Endgültig zum Niederknien wird es, wenn Jorn Lande (Jorn, Masterplan), der zur Zeit wahrscheinlich beste Hard-Rock-Sänger, zum Mikro greift und alles in Grund und Boden singt. Anspieltipps gefällig? "Promised Land" oder "Forever is a long Time" (beide mit Jorn Lande), aber auch "Your Love is Evil" und "Death is just a feeling" (John Oliva, der einem kalte Schauer über den Rücken jagt) oder "Crestfallen" zeigen deutlich, wie gut diese beiden CDs sind.
Da kann man nur noch sagen: "Respekt, Herr Sammet!"
Georg Ruß
